Das Berliner Loch

Das Berliner Loch steht für eine kaum erinnerte Geschichte von Flucht und Ankunft in Berlin.
Unsere Stadtführungen machen sichtbar, wie Mobilität, Grenzpolitik und Migration unsere Stadt geprägt haben und warum diese Geschichte für Deutschland bis heute relevant ist.

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„Absperrung an der Harzer Straße nahe der Lohmühlenbrücke während der Berliner Teilung.“ · Foto: privat (1962) · Quelle: Stiftung Berliner Mauer, Inventarnr. F-021818 · Lizenz: CC BY-SA 4.0

Was ist das Berliner Loch?

Das „Berliner Loch“ bezeichnet eine heute kaum bekannte Fluchtroute im geteilten Deutschland. Gemeint ist der Weg, über den viele Personen in den 1980er Jahren über Ost-Berlin nach West-Berlin gelangten. Für viele wurde Berlin so zu einem Ort der Ankunft und des Neuanfangs, zugleich aber auch zu einem Raum politischer Kontrolle und rechtlicher Unsicherheit. Das Berliner Loch steht damit nicht nur für eine historische Besonderheit der deutschen Teilung, sondern auch für ein verdrängtes Kapitel der Berliner Migrationsgeschichte.

Die Stadtführungen fragen danach, wie diese Bewegungen Berlin geprägt haben, welche Folgen sie für die Betroffenen hatten und warum diese Geschichte bis heute für Fragen von Grenzen, Zugehörigkeit und Erinnerung relevant ist.

„In den 1980er Jahren wurden die politischen Risse in den Mauern des geteilten Deutschlands für Tamil*innen zu einer Überlebensroute. Für viele, die nach Europa emigrierten, war das geteilte Berlin ihr persönlicher Ankunftsort.[…] Mit Hilfe eines von der DDR ausgestellten Transitvisums war der Durchgang zunächst vergleichsweise einfach möglich, weil die ostdeutsche Regierung sie so schnell wie möglich in den Westen weiterleiten wollte.“

Nach Sinthujan Varatharajah, über die Fluchtroute tamilischer Geflüchteter über das geteilte Berlin. Quelle: 11. Berlin Biennale, „Sinthujan Varatharajah: how to move an arche“

Stadtführungen

Zwischen Mai und September 2026 finden sechs Termine statt. Das Angebot richtet sich an Bürger:innen, Interessierte und Student:innen. Nach der Anmeldung erhalten Sie Treffpunkt und Route. Die Teilnahme ist kostenfrei, Plätze sind begrenzt. Die Dauer der Touren beträgt ca. 90–120 Minuten.

Die Führung ist dialogisch und partizipativ angelegt: Wir gehen auf Spurensuche, dabei werden Einblicke in die Lebensrealität der Betroffenen und Eindrücke der geteilten Berliner Stadtgesellschaft und der politischen Debatte um das Berliner Loch nachgezeichnet. Wir diskutieren gemeinsam Begriffe und reflektieren multiple Perspektiven auf diesen Teil der Geschichte Berlins.

Termine

Die Touren finden zwischen Mai und September 2026 statt. Aktuell sind Termine geplant für Freitag, den 22. Mai, Freitag, den 29. Mai und Freitag, den 26. Juni jeweils ab 16 Uhr.

Passen Ihnen diese Termine gar nicht? Dann schreiben Sie gerne eine E-Mail und bei entsprechender Teilnehmerzahl finden wir sicher eine Lösung.

Die Anmeldung erfolgt unter Angabe des gewünschten Termins und Ihres vollständigen Namens an anmeldung@berliner-loch.de.

Führungen für Studierende

Sie geben ein Seminar, das sich mit der Stadtgeschichte, dem urbanen Raum und/oder Fragen von Flucht und Migration befasst?

Nach Absprache können auch Führungen für Student:innen von Berliner Universitäten und Hochschulen durchgeführt werden.

Dann melden Sie sich gern direkt unter anmeldung@berliner-loch.de.

„Mein Mann entschied, dass wir gemeinsam fliehen sollten. Als Soldat war er immer wieder in Krisenregionen eingesetzt worden, seine Angst war zu groß geworden. Ich bestieg 1990 ein Flugzeug nach Berlin-Schönefeld – hochschwanger, 19 Jahre alt und ohne weitere Verwandte.“

Wafaa El-Mohamad, libanesische Geflüchtete, über ihre Ankunft in Berlin
Quelle: Der Tagesspiegel, „Fluchtpunkt Berlin: Libanesin baut sich neues Leben auf“, 13.04.2015

(Photo by ©2024 Jule Halsinger)

Mohammed Ali Chahrour

Mohammed Ali Chahrour ist Sozialwissenschaftler und hat sich auf die Themen Migration, Anti-Rassismus und Diversität spezialisiert. Er ist Trainer für politische Bildung und gibt Stadttouren und Workshops im Themenfeld des inter- und transkulturellen Zusammenlebens. Er hält Vorträge und publiziert auf diesem Gebiet. Im Herbst 2023 hat er den Sammelband – Generalverdacht: Wie mit dem Mythos Clankriminalität Politik gemacht wird – mit herausgegeben.

„Mein Vater beschloss, den Libanon zu verlassen, weil es politisch zu gefährlich wurde und er uns Kindern ein Leben mit Zukunft ermöglichen wollte. Sie hatten immer die Hoffnung, zurückzukehren. Doch dann wurden aus Tagen Wochen, aus Wochen Monate, aus Monaten zwanzig Jahre.

Sawsan Chebli, Politikerin und Autorin, über die Flucht ihrer Eltern aus dem Libanon nach Berlin

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